Von der Idee zur Tradition – Muttertag in der Schweiz und weltweit
09.05.2025 AllerleiJedes Jahr am zweiten Sonntag im Mai blühen Blumenläden auf, Kinder basteln Karten, und Mütter werden im ganzen Land gefeiert.
Der Muttertag ist aus dem gesellschaftlichen Kalender der Schweiz kaum mehr wegzudenken. Doch die Ursprünge dieses ...
Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Mai blühen Blumenläden auf, Kinder basteln Karten, und Mütter werden im ganzen Land gefeiert.
Der Muttertag ist aus dem gesellschaftlichen Kalender der Schweiz kaum mehr wegzudenken. Doch die Ursprünge dieses Ehrentags reichen über ein Jahrhundert zurück und sind von internationalen wie nationalen Entwicklungen geprägt.
Amerikanische Wurzeln, europäische Ausbreitung
Die heutige Form des Muttertags geht auf die US-Amerikanerin Anna Jarvis zurück. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1905 setzte sie sich für einen Gedenktag zu Ehren aller Mütter ein.
1914 erklärte der US-Kongress den zweiten Sonntag im Mai offiziell zum Muttertag. Diese Idee verbreitete sich rasch über den Atlantik – zuerst nach England, dann nach Deutschland, Österreich und schliesslich in die Schweiz.
Ankunft in der Schweiz
In der Schweiz fand der Muttertag in den 1910er- und 1920er-Jahren zunächst in kirchlichen Kreisen Beachtung. Die Heilsarmee war eine der ersten Organisationen, die den Muttertag propagierte. Doch die breite gesellschaftliche Einführung liess noch auf sich warten.
Ein Meilenstein war das Jahr 1930: Der Schweizerische Floristenverband startete eine gezielte Werbekampagne zur Einführung des Muttertags, unterstützt vom Einzelhandel. Der Tag sollte sowohl Mütter ehren als auch den Verkauf von Blumen fördern.
Diese kommerzielle Unterstützung sorgte dafür, dass der Muttertag rasch populär wurde – trotz anfänglicher Kritik von kirchlichen und linken Kreisen, die eine Kommerzialisierung und sentimentale Verklärung der Mutterrolle befürchteten.
Ein fester Platz im Kalender
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Muttertag in der ganzen Schweiz etabliert. Schulen und Kindergärten begannen, den Tag aktiv zu gestalten: Kinder bastelten Geschenke, schrieben Gedichte und bereiteten Frühstücke für ihre Mütter vor. Der Muttertag wurde zu einer liebevollen, familiären Tradition – ein Tag der Dankbarkeit und Anerkennung.
Heute: Zwischen Blumen und Debatten
Heutzutage ist der Muttertag ein fester Bestandteil der Schweizer Kultur. Dennoch ist er nicht unumstritten. Kritische Stimmen weisen auf die Kommerzialisierung hin oder hinterfragen die einseitige Betonung traditioneller Geschlechterrollen.
Auch die Vielfalt von Familienmodellen wird zunehmend thematisiert: Wer ist Mutter? Wie soll man feiern, wenn die Mutter abwesend oder verstorben ist?
Vom religiösen Impuls über floristische Werbekampagnen bis hin zur heutigen Familientradition: Die Geschichte des Muttertags in der Schweiz zeigt, wie ein internationaler Gedenktag sich mit lokalen Werten und Praktiken verbindet.
Und auch wenn sich die Bedeutung wandelt, bleibt eines beständig: die Wertschätzung für Mütter in all ihren Formen, die an diesem Tag ganz besonder gefeiert wird
Andere Länder, andere Sitten
Mexiko – ein musikalisches Dankeschön
In Mexiko wird der Muttertag immer am 10. Mai gefeiert – unabhängig vom Wochentag. Es ist ein Tag voller Emotionen: Mariachi-Bands spielen morgens Ständchen, Kinder tragen Gedichte vor und Schulen organisieren Aufführungen. Mütter werden mit Geschenken und üppigen Familienessen gefeiert. Der Tag hat einen hohen Stellenwert und ist von tiefem Respekt geprägt.
Thailand – der Muttertag als königliches Ereignis
In Thailand ist der Muttertag untrennbar mit der Monarchie verbunden. Er wird am 12. August, dem Geburtstag der ehemaligen Königin Sirikit, gefeiert. Sie gilt als «Mutter aller Thailänder».
Landesweit finden Zeremonien statt, und Kinder schenken ihren Müttern Jasminblüten, ein Symbol für Reinheit und Liebe. Auch Wohltätigkeitsaktionen und Schulfeiern gehören zum normalen Tagesprogramm, an dem es grösstenteils Pflicht ist, daran tgeilzunehmen.
Vereinigtes Königreich – der religiöse Ursprung
Der sogenannte „Mothering Sunday“ im Vereinigten Königreich wird am vierten Sonntag der Fastenzeit gefeiert – also im März oder April. Ursprünglich ein kirchlicher Feiertag, an dem Gläubige zur «Mutterkirche» zurückkehrten, wandelte er sich im Laufe der Zeit zu einem Tag zu Ehren der leiblichen Mutter. Heute ist er ein beliebter Anlass für Geschenke, Karten und Familienessen – mit einem Hauch religiöser Tradition im Hintergrund.
Ägypten und arabische Länder – Frühling für die Mütter
In vielen arabischen Ländern, darunter Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien, wird der Muttertag am 21. März, dem Frühlingsbeginn, gefeiert.
Er wurde 1956 vom ägyptischen Journalisten Mustafa Amin eingeführt. Kinder überreichen Geschenke, Schulen gestalten Ehrungen, und in den Medien steht das Thema Mutterliebe im Zentrum. Trotz kultureller Unterschiede ist der emotionale Gehalt des Tages ähnlich wie in westlichen Ländern.
Japan – Liebe in Bildern
In Japan wird der Muttertag ebenfalls am zweiten Sonntag im Mai gefeiert, hat aber einen besonderen kreativen Touch: Kinder malen Porträts ihrer Mütter oder schreiben Dankesbriefe. Die beliebteste Blume ist die rote Nelke, die für aufopfernde Liebe steht. Der Tag wird meist ruhig und im Familienkreis begangen – mit traditionellen Speisen und kleinen, symbolischen Geschenken.
Frankreich – späte, aber stilvolle Einführung
In Frankreich wurde der Muttertag erst 1950 offiziell eingeführt und findet meist am letzten Sonntag im Mai statt. Französische Kinder überreichen Gedichte und selbstgebastelte Geschenke, und oft wird die «Fête des Mères» mit einem gemeinsamen Essen gefeiert. In manchen Regionen erhalten Mütter sogar Medaillen – besonders, wenn sie viele Kinder haben.
Indien – zwischen westlichem Einfluss und traditionellen Werten
In Indien ist der Muttertag ein eher urbanes Phänomen, inspiriert von westlichen Medien. Er wird ebenfalls im Mai gefeiert, insbesondere in Städten. Kinder schenken Karten oder laden ihre Mütter zum Essen ein.
Auf dem Land spielen dagegen weiterhin traditionelle Familientage und religiöse Feste, wie Navratri (zu Ehren der Muttergöttin Durga), eine grössere Rolle.
RED