Meine ersten vier Lebensjahre verbrachte ich in Kandergrund. Ich (1966) und mein Bruder (1968) wurden im Spital Frutigen geboren. Seit jeher war das Spital Frutigen der ideale Ort für die Geburtshilfe für die Frutigtalerinnen. Seit der Schliessung der Geburtenabteilung in Zweisimmen war ...
Meine ersten vier Lebensjahre verbrachte ich in Kandergrund. Ich (1966) und mein Bruder (1968) wurden im Spital Frutigen geboren. Seit jeher war das Spital Frutigen der ideale Ort für die Geburtshilfe für die Frutigtalerinnen. Seit der Schliessung der Geburtenabteilung in Zweisimmen war Frutigen auch für die schwangeren Simmentalerinnen und Saanenländerinnen eine Anlaufstelle.
Ich beteiligte mich ebenfalls an der Petition für den Erhalt der Geburtenabteilung im Spital Frutigen. Den ungeborenen Frutigtalern wird mit dieser Schliessung der Start ins Leben absichtlich erschwert und den schwangeren Müttern unnötig Steine in den Weg gelegt. Nun geschieht dem Spital Frutigen das gleiche Schicksal wie auch dem Spital Zweisimmen vor über zehn Jahren.
Zur Winterszeit während der Skisaison gibt es in den Sportregionen praktisch täglich Stauzeiten, bis zu einer Stunde oder noch länger. Die Stauzeit kommt dann noch zur üblichen Fahrtzeit hinzu. So wird die Zeit knapp, um zum nächsten Spital mit Geburtenabteilung zu gelangen. Der Gedanke, dass ein kleiner Erdenbürger bei bitterer Kälte irgendwo im Stau oder am Strassenrand im Auto zur Welt kommen muss und der Mutter keine Geburtshilfe zukommen kann, ist unerträglich.
Da müssten die Verantwortlichen diesen Entscheid mit den schwerwiegenden Folgen noch einmal überdenken. Auch Wartezimmer, wie sie in den Spitälern Altdorf UR und Davos GR zur Verfügung stehen, lösen das heraufbeschworene Problem nicht. Die weiten Anfahrten bleiben bestehen und damit die Zusatzrisiken für Mutter und Kind ebenfalls; und dies nicht nur für einige wenige, sondern für alle Schwangeren der Region. Ob es wohl im Spital Interlaken genügend derartige Wartezimmer mit dem nötigen Fachpersonal gäbe? Wer würde die Verantwortung übernehmen, wenn es bei einer Geburt unterwegs zu Komplikationen mit tragischem Ausgang käme?
Es ist zu hoffen, dass der Kanton diesmal Partei für die Benachteiligten ergreift und den fatalen Entscheid fürs Frutigtal rückgängig macht.
CHRISTINE STUCKI, ZWEISIMMEN