Die Alphütte als Feriendomizil?
11.06.2024 AdelbodenFünf junge Leute wollen eine leer stehende Hütte auf der Bunderalp renovieren, um sie anschliessend an Gäste zu vermieten. Das klingt sympathisch – doch das Vorhaben hat noch Stolpersteine zu überwinden.
TONI KOLLER
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Fünf junge Leute wollen eine leer stehende Hütte auf der Bunderalp renovieren, um sie anschliessend an Gäste zu vermieten. Das klingt sympathisch – doch das Vorhaben hat noch Stolpersteine zu überwinden.
TONI KOLLER
«Murbibou» heisst das Projekt. Denn seit die Nutzung der Alphütte auf der Vorderen Bunderalp vor einigen Jahren endete, wird sie mitunter von «Murbeni» bewohnt: von Murmeltieren. Nun sollen wieder Menschen Einzug halten; Familien, Paare, Einzelpersonen sollen hier tage- oder wochenweise «die Faszination des einfachen Alplebens und die Ruhe der Natur erleben können», sagt Melanie Bircher. Ihrer Familie gehört die Hütte; sie studiert Agronomie an der Fachhochschule in Zollikofen. Das Nebenfach «Entrepreneurship» weckte in der 22-Jährigen und vier weiteren Studierenden den Ehrgeiz, selber unternehmerisch tätig zu werden: «Gemeinsam wollen wir ungenutzte und leer stehende Agronomiegebäude wieder nutzbar machen und den Gebäuden so wieder Leben einhauchen.»
Es braucht Bauarbeiten
Das erste Vorhaben der Gruppe ist nun also der «Murbibou» in Adelboden. Um für Gäste attraktiv zu werden, soll die rudimentär ausgestattete Hütte eine Toilette, eine Küche und einen Ofen erhalten; ausserdem benötigt sie einen Wasseranschluss, einen neuen Fussboden und etliches an Inneneinrichtung. Strom gibt’s nicht – «aber einen minimalen Komfort müssen wir unseren künftigen Gästen schon bieten können», meint Melanie Bircher. Sie selbst kennt das Älplerleben in seiner einfachen Form von Kindheit her: In einer Bergbauernfamilie aufgewachsen, hat sie manchen Sommer auf der Bunderalp verbracht. «Ich habe jeden Tag beim Käsen zugeschaut, die Frische der Alpwiesen gespürt und bin jeden Abend bei Glockengeläut eingeschlafen.» Dieses prägend schöne Erlebnis soll nun also auch zahlenden Gästen zugänglich gemacht werden, was der Familie Bircher einen willkommenen Nebenverdienst brächte. «Ausserdem wollen wir mit der Renovation der Hütte das Landschaftsbild erhalten», betont Bircher: «Ein intaktes, genutztes Häuschen in traditioneller Bauweise passt besser zur Alp als eine leer stehende, langsam zerfallende Hütte.»
Die zwei Hürden: Geld und RPG
Die erste Schwierigkeit, die das Projekt «Murbibou» zu bewältigen hat, ist die Finanzierung. Bei den nötigen Erneuerungsarbeiten will die Gruppe zwar fleissig selbst Hand anlegen. Doch für den unumgänglichen Beizug von Handwerkern sowie für Material und Einrichtung braucht es Geld – 15 000 Franken sind budgetiert. «Als junge Studierende haben wir knappe finanzielle Ressourcen. Daher sind wir aktuell auf der Suche nach Sponsoren», erklärt Melanie Bircher. Die entsprechende Sammlung auf einer Crowdfunding-Plattform (siehe unten) dauert bis Mitte Juni und verläuft bisher recht erfolgversprechend.
Das höhere Hindernis auf dem Weg zum «Murbibou» bilden wohl die rechtlichen Vorschriften. Zwar soll sich das äussere Bild der Alphütte nicht verändern. Doch da die Renovation im Inneren des Baus mit einer neuen Zweckbestimmung einhergeht – nämlich mit der Nutzung durch nichtlandwirtschaftliche Gäste –, bedarf es einer Baubewilligung. Das entsprechende Gesuch muss noch eingereicht werden. Und weil die Alp Bunder keine Bauzone ist, liegt das letzte Wort beim kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung: Dieses prüft das Vorhaben auf seine Konformität mit Artikel 24 des Raumplanungsgesetzes (Bauen ausserhalb der Bauzone). Das kann dauern – und der Ausgang ist ungewiss. Immerhin kann die Gruppe um Melanie Bircher auf den Begriff «Agrotourismus» setzen: Unter diesem Titel sind landwirtschaftliche Nebenerwerbsbetriebe auch ausserhalb der Bauzone möglich. Und überhaupt, sagt sie: «Die Alpen sind ein lebendiges Kulturerbe der Schweiz! Mit unserem Projekt wollen wir dazu beitragen, dass es erhalten bleibt.»
Infos zum Projekt und zur Sammelplattform finden Sie unter www.frutiglaender.ch (Web-Links).